Lehrer der IOGT Schulen in Guinea-Bissau mit Jenny Gustafsson (IOGT International) und Priska Hauser-Scherer (IOGT Schweiz)
Fanta Djedjo heisst die Teilnehmer willkommen
Priska Hauser-Scherer eröffnet das Osterlager offiziell
Präsident, Sekretär und Kassier der verschiedenen IOGT-JES Gruppen
Zement Einkauf in Bissau
kostbare Fracht auf den Schultern
Lehmziegel trocknen für den Hausbau
alles von Hand Lehmziegel herstellen
Resultat kann stolz gezeigt werden
alles was du essen kannst für weniger als $1
grosszügiges Geschenk des Dorfes zum EssenEs braucht: viele freiwillige Helfer, ein leerstehendes Schulhaus, ein Platz mit Bäumen, die Schatten spenden, ein Programm und viele begeisterte Jugendliche. Das ist das Rezept für ein unvergessliches Osterlager.
Alle Lehrer und Lehrerinnen von IOGT-JES Guinea-Bissau halfen bei den Vorbereitungen und der Durchführung des Osterlagers für Jugendliche ab 13 Jahren. Ohne fliessend Wasser und ohne Elektrizität ist ein solcher Grossanlass nur mit viel Planung und Einsatz zu bewältigen. Zuerst wird das Schulhaus und die Umgebung gesäubert, damit dort geschlafen und gekocht werden kann. Für die Leiter von IOGT-Organisationen aus anderen Ländern und einen Teil der Lagerleitung stehen grosse Zelte zur Verfügung. Diese Zelte sind ein Geschenk der deutschen Guttempler und wenige Tage vor Beginn des Lagers im Hafen von Gambia per Schiff eingetroffen. Während vieler Jahre fanden die Zelte Verwendung in europäischen Kinderlagern und nun werden sie ihren Dienst als Schattenspender und Schlafstätten in afrikanischen Jugendlagern tun. Jan Jacobs war als Vertreter der deutschen Guttempler angereist zusammen mit Bertus Ploeger von Ando Holland.
In einem armen Land sind Aktivitäten für Kinder und Jugendliche ein Luxus, so ist es nicht verwunderlich, dass viel mehr Jugendliche hätten teilnehmen wollen. Zusammen sein, sich austauschen, andere kennen lernen, Neues erleben, als Kind und Jugendlicher der Mittelpunkt seines eigenen Lebens sein, all das ist in Europa vielleicht selbstverständlich. Für afrikanische Jugendliche ist es ein kostbares Juwel, eine oft einzigartige Gelegenheit. IOGT steht ein für die freie Entfaltung der Persönlichkeit, ohne Einfluss von psychaktiven Substanzen und in friedlicher, solidarischer Umgebung. Das Osterlager von IOGT-JES in Sao Vicente, Guinea-Bissau war die konkrete Umsetzung dieses Ideals
nahmen teil. Auch wenn die Völkergruppen stark durchmischt sind, so war das Sprachproblem doch zu lösen. Alle offiziellen Informationen und Anlässe wurden übersetzt von 2 bis 3 Jugend-Leitern. Wenn in Europa bis 25 von Jugendlichen gesprochen wird, sind Afrikaner mit dem Begriff grosszügiger und verwenden ihn bis 35 Jahre. Fanta Djedjo hiess alle Teilnehmer willkommen und der Gast aus der Schweiz, Priska Hauser-Scherer, durfte das Lager offiziell eröffnen.
Demokratische Vereinsstrukturen haben keine Tradition und deshalb sind die Vorstände der lokalen Jugendgruppen ein gutes Übungsfeld, um Verantwortung zu übernehmen und Macht legitim auszuüben und zu verteilen. Selbstverständlich sind Frauen gleichberechtigt innerhalb der IOGT-Gruppen.
Die bunte Schar der 132 Teilnehmer setzte sich so zusammen:
37 Senegal
22 Bissau Plak II
21 Bissau Cuntum III
10 Bantanjan/ Guinea-Bissau
8 Bissau Cuntum MadinA
6 Gambia
3 Liberia
3 Caur Guinea-Bissau
16 Lehrer von IOGT
1 Sierra Leone
1 Deutschland
1 Niederlande
1 Schweden
2 Schweiz
IOGT-JES hat ein Stück Land am Rande des Dorfes Sao Vicente erhalten, um darauf ein Jugendzentrum einzurichten. Zuerst wurde das Land gerodet und jetzt werden Lehmziegel hergestellt, mit denen das Haus gebaut wird. Alles geschieht in freiwilliger Arbeit und so wird es seine Zeit dauern, bis Jugendliche das Haus benützen können. Zement, Lehm aus dem Boden und Wasser braucht es und ein handbetriebens Gerät, mit dem die Ziegel geformt und gepresst werden.
Zement kostet in Bissau vor der Regenzeit 4'400 CFA (ca. € 7.- pro Sack). Während der Regenzeit wird mehr gebaut und der Preis steigt.
Wer nun einen so kostbaren Sack Zement auf den Schultern buckeln darf, versteht dies nicht als lästige Arbeit, sondern als Chance etwas in Angriff zu nehmen. Die Teilnehmer aus dem Senegal stammen meist aus eher städtischen Gebieten und sind diese Art von Arbeit wenig gewohnt.
Es ist ein befriedigendes Gefühl zu sehen, wie die Lehmziegel entstehen. Bei über 30 Grad im Schatten ist die körperliche Anstrengung beachtlich und der Stolz berechtigt. Das Wissen um einfaches Handwerk ist leider nicht weit verbreitet. So ist es für alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein Erlebnis zu sehen, dass sie selber einen Baustein für ein Haus herstellen können.
Alle benutzen das Schlagwort "Hilfe zur Selbsthilfe". Wenn Afrikaner ihr Schicksal selbst in die Hände nehmen wollen, benötigen sie ein Grundwissen. Wenn wir nichts voraussetzen, sondern davon ausgehen, dass fast alles neu und unbekannt ist, beginnt unsere Hilfeleistung am richtigen Ort. Hier haben Jugendliche aus Bissau den Teilnehmern aus anderen afrikanischen Ländern gezeigt, was es braucht für die Herstellung eines Lehmziegels für den Hausbau und sie direkt angeleitet, die Ziegel selber herzustellen. Das verstehen wir unter "Hilfe zur Selbsthilfe".
Wenn IOGT-JES Guinea-Bissau ein Jugendlager organisiert, geht es nie nur um Spiel und Spass sondern immer um praktisches und gemeinsames Lernen. Neben der Anleitung zur Herstellung von Baumaterial findet auch eine Schulung zu Aidsprävention statt. Der Fachmann kommt aus Bissau und erklärt die Risiken, Übertragungswege und Schutzmassnahmen. Dabei werden Kondome gezeigt und auch wie sie richtig angewendet werden müssen. Wenn Mädchen mit 13 Jahren bereits schwanger werden, muss die Aufklärung sehr früh beginnen. Sexualität ist ein delikates Thema und es braucht Mut und Fachwissen, um 100 Jugendlichen darzulegen, dass sie sich schützen sollen.
Dank den Deutschen Guttemplern standen 500 Euro für das Essen während 6 Tagen zur Verfügung. Für 130 Teilnehmer beträgt der Tagesansatz 64 Cent. Edward Mendy, Lehrer und IOGT-JES Leiter, setzte mit seinem T-Shirt die richtige Aussage: All you can eat under $ 1, alles was du für weniger als einen Doller essen kannst.
Was kann man für diesen Betrag essen? Nach dem Aufstehen gab es Gymnastik und Sport und die Jugendlichen erhielten so gegen 9.00 Uhr ein Stück Brot (Baguette). Nachmittags um ca. 15.00 Uhr wurden 20 grosse Schüsseln mit Reis, etwas Gemüse und meistens Fisch verteilt. 10 bis 12 Personen sitzen um diese Schüssel und essen sich satt. Abends gibt es ein süsses Reisgericht. Die 50 Kilo Reissäcke wurden täglich verzehrt. Die Dorfvorsteher brachten 3 Ziegen als Geschenk, die ein Fleischgericht bescherten. Kinder und Jugendliche in Guinea-Bissau bekommen selten Fleisch zu essen. Auch Fisch ist eine teure Delikatesse, obwohl in den Flüssen und am Meer Fische gefangen und verkauft werden.