Jugendalkoholismus wirksam bekämpfen

IOGT International and active Präsidenten mit WHO Expertin Annette Mwanza Nkowane, Prof. Ralph Hingson, USA und Dr. Holger Schmid, SFA LausanneIOGT International and active Präsidenten mit WHO Expertin Annette Mwanza Nkowane, Prof. Ralph Hingson, USA und Dr. Holger Schmid, SFA LausanneInternationale und nationale Fachleute als Referenten und Zuhörer im KuspoInternationale und nationale Fachleute als Referenten und Zuhörer im KuspoRalph HingsonRalph HingsonDr. Holger SchmidDr. Holger SchmidAnnette Mwansa Nkowane von der Weltgesundheitsorganisation (WHO)Annette Mwansa Nkowane von der Weltgesundheitsorganisation (WHO)Landespräsidentin von IOGT Schweiz, Priska Hauser-SchererLandespräsidentin von IOGT Schweiz, Priska Hauser-Scherer

Die Probleme sind bekannt, und ihr Ausmass wird immer grösser: Das Einstiegsalter in den Alkoholkonsum sinkt rapide, bereits 12-Jährige werden volltrunken in die Spitäler eingeliefert, und schon bei 15-Jährigen wird Alkoholismus diagnostiziert. Führende Alkoholforscher aus der ganzen Welt riefen in Münchenstein zu politischen Massnahmen auf.

Als eigentlicher Jugendalkoholismus-Gipfel stellte sich die Fachtagung «Jugend und Alkohol» im Rahmen des IOGT-Weltkongresses in Münchenstein BL am 4. August 2006 heraus. Unter den rund 250 Teilnehmenden waren nicht nur IOGT-Mitglieder aus fast 50 Nationen, sondern auch 50 Vertreter von Schweizer Suchtpräventions- und Jugendberatungsstellen, Gemeinde- und Justizbehörden, Kirchen und Verbänden.

Das Einstiegsalter sinkt

Alle Referierenden kamen zu den gleichen Ergebnissen: Jugendliche trinken immer früher und immer mehr. Wie Ralph Hingson vom Nationalen Institut für Alkoholmissbrauch und Alkoholismus (NIAAA) in den USA sagte, bedeutet ein tieferes Einstiegsalter eine massiv grössere Gefahr späterer Abhängigkeit. Alkohol ist ausserdem die direkte oder indirekte Haupt-Todesursache (z.B. durch Unfälle) unter jungen Menschen. Ausserdem haben alkoholisierte Jugendliche überdurchschnittlich oft unkontrollierten Sex, was zu Geschlechtskrankheiten, HIV-Infektionen und ungewollten Schwangerschaften führen kann. (Siehe Original-Referat unten "Magnitude and prevention of underage drinking problems)

Die Politik ist gefordert

Es sei allerhöchste Zeit zu handeln, lautet der Aufruf von Holger Schmid, Forschungsleiter der Schweiz. Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) an die Politik. Massnahmen müssen auf allen Ebenen – Familie, Schule, Behörden, Gesellschaft – ergriffen und die Konsequenzen auch durchgesetzt werden. Die effektivsten Massnahmen, um den exzessiven Alkoholkonsum zu reduzieren, sind die Erhöhung des Preises, die Einschränkung der Werbung sowie der Erhältlichkeit. Gegen diese Forderungen lobbyiere die mächtige Alkoholindustrie aber bisher noch erfolgreich, bedauert Schmid. Er betonte, jedes Kind müsse das Recht haben, in einer alkoholfreien Umgebung aufzuwachsen. (Original-Referat Dr. Holger Schmid siehe unten)

Ungeschützter Sex unter Alkoholeinfluss

Annette Mwansa Nkowane von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, Alkoholkonsum sei einer der Hauptgründe für ungeschützten Sex und somit für die hohe HIV/AIDS-Rate in Afrika, insbesondere seitdem auch immer mehr junge Frauen viel Alkohol trinken. Jugendliche lassen sich durch die Marketing-Strategien der Suchtmittelindustrie besonders stark beeinflussen. Sie müssen genügend sinnvolle Alternativen geboten bekommen, ihre Freizeit zu gestalten – eine Forderung, die nicht nur für Afrika gilt. Es braucht eine umfassende und gross angelegte Mobilisierung zugunsten von Präventionsangeboten, meinte Annette Mwansa Nkowane abschliessend. (Original-Referat Mrs. A. Mwansa, WHO, siehe unten)

Alkoholfreie Euro2008 gefordert

Aus diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen müssen praktische Forderungen abgeleitet werden, sagte die Landespräsidentin von IOGT Schweiz, Priska Hauser-Scherer, vor den Medien.

Deshalb fordert IOGT International als weltweite Abstinenz- und Friedensorganisation die Durchführung der Fussball-Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und Österreich in einem alkoholfreien Rahmen. Was 1998 an der WM in Frankreich und 2004 an der EM in Portugal ohne weiteres möglich war, sollte auch in zwei Jahren durchführbar sein, unterstützte SFA-Vizedirektor Holger Schmid diese Resolution. Und der US-Forscher Ralph Hingson stellte lapidar fest, die Gesundheit der Jugend müsse mehr Gewicht haben als die finanzieller Interessen der Industrie.

Kontaktpersonen für Auskünfte:

Priska Hauser-Scherer, Landespräsidentin IOGT Schweiz
Alex Klee, Ressortleiter Medien/Öffentlichkeitsarbeit IOGT Schweiz

Freitag 18. Mai 2007 Alter: 3 Jahre